Jörg Jewanski
Ist C=Rot?
Eine Kultur- und Wissenschaftsgeschichte zum Problem der wechselseitigen Beziehung zwischen Ton und Farbe. Von Aristoteles bis Goethe
![]() |
(Berliner Musik Studien 17) |
Ziel dieser
interdisziplinär angelegten musikwissenschaftlichen Dissertation ist es,
über einen Zeitraum von 2000 Jahren die Beziehung von Farben und
Tönen möglichst umfassend darzustellen.
Der Gang durch die
Kulturgeschichte der Menschheit beginnt bei den universalistischen
Symbolverknüpfungen der Frühgeschichte, führt über die auf
der Zahl 7 basierende Farbe-Ton-Zuordnung bei Aristoteles und findet seinen
Schwerpunkt in der Aufarbeitung der Diskussion im 16.-18. Jahrhundert. Hier
wird die Abhängigkeit von antikem Gedankengut und die weite Verbreitung
von Analogiebildungen deutlich, die sich als Summe von astrologischen,
zahlensymbolischen, philosophischen, religiösen und alchimistischen
Spekulation erweist.
Erst im 18. Jahrhundert wurde die Farbe-Ton-Beziehung
auf die Kunst im Sinne einer Farbenmusik transferiert. Mit Goethes Geschichte
der Farbenlehre von 1810 bricht die Kenntnis der heftigen Diskussion
früherer Zeiten ab.
«Lassen sich Farbe
und Ton miteinander vergleichen? Gibt es Prinzipien, die eine konkrete
Farbe-Ton-Zuordnung rechtfertigen? Fragen, die immer wieder in den
verschiedensten Disziplinen behandelt wurden. Geistes- und
Naturwissenschaftler, Psychologen, Pädagogen, aber auch Musiker, Maler und
Dichter waren fasziniert von der Idee einer Farbe-Ton-Analogie: Experimente
wurden an-, Theorien aufgestellt, Farbenmusiken erdacht und realisiert,
Instrumente wie z. B. Farbenklaviere konstruiert.
Es ist klar, dass eine
solch vielfältige und interdisziplinäre Thematik kaum in einem
einzigen Buch dargestellt werden kann. Jörg Jewanski nimmt deshalb eine
zeitliche Eingrenzung vor, indem er die Geschichte der Farbe-Ton-Beziehung von
Aristoteles bis Goethe, also von ihren Anfängen bis zum beginnenden 19.
Jahrhundert, untersucht. Für diesen Zeitraum will er die bisher
umfassendste Aufarbeitung des Themas liefern, und es gelingt ihm, bis
heute kaum wahrgenommene Traditionslinien aufzudecken. Neben den bekannten
Zuordnungen etwa von Kircher, Newton oder Castel gab es nämlich eine
Vielzahl weiterer, untereinander in Beziehung stehender Analogieversuche. Der
Autor weist nach, dass zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Ländern
unterschiedliche Zuordnungen vorgenommen wurden und somit die Frage nach einer
allgemein gültigen Farbe-Ton-Analogie mit Nein beantwortet werden muss.
Diese Feststellung allein ist an sich nicht neu. Doch indem Jewanski die
jeweiligen Ansätze in den Wissensstand ihrer Zeit einordnet und im
historischen Kontext betrachtet, gelangt er zu neuartigen Bewertungen. Auch hat
es bislang noch keine so übergreifende Darstellung der Geschichte der
Farbe-Ton-Beziehung gegeben. Das Literaturverzeichnis der Studie ist für
den gewählten Zeitraum die wahrscheinlich weltweit umfangreichste
Bibliographie. Es erweist sich als Fundus für alle grundlegenden
Farbe-Ton-Publikationen, auch für zahlreiche, bisher unbekannte oder in
diesem Zusammenhang noch nicht ausgewertete Werke. Jewanski hat sie gesammelt,
gesichtet und verarbeitet. Er bringt viele Zitate, so dass seine Dissertation
zudem ein wertvolles Quellenbuch darstellt. [Insgesamt] stellt sich die
Dissertation als unverzichtbares Kompendium dar, das als Standardwerk in jeder
Universitätsbibliothek greifbar sein sollte.» (Barbara Kienscherf in
Fono Forum 2/2000)



