Manuela Schwartz
Wagner-Rezeption und französische Oper des Fin de siècle
Untersuchungen zu Vincent dIndys Fervaal
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(Berliner Musik Studien 18) |
Eine Studie über den französischen Wagnérisme mit seinen kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Implikationen. Wie sich die musikalische Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners, mit seinen ästhetischen Vorstellungen und stilistischen Neuerungen gestalten konnte, zeigt die Autorin am konkreten Beispiel von Vincent dIndys Oper Fervaal .
Der französische
Wagnérisme gehört zu den herausragenden Rezeptionsphänomenen
der Musik- und Kulturgeschichte. Richard Wagners Werk und sein
ästhetischer Entwurf gewannen in Frankreich zwischen dem
deutsch-französischen Krieg und dem ersten Weltkrieg einen weit
gefächerten Einfluss, welcher nicht nur in allen Künsten, sondern
auch in Politik und Gesellschaft, besonders aber in der Musik wirksam wurde.
Die Mechanismen und Wege der Auseinandersetzung mit Wagners Person, Werk
und Musik sind vielfältig. Ob es sich dabei um die bis 1891 andauernde
Blockade seiner Musikdramen an der Pariser Opéra, um die kompositorische
Weiterentwicklung seiner musikalischen Neuerungen, um die Transformation seiner
ästhetischen und musikdramatischen Vorstellungen oder um die
musikpolitische Wirkung des Wagnérisme auf die Rezeption der
französischen Komponisten handelt: Der Name Wagners weist über seine
Person auf immer wieder andere Zusammenhänge musikalischer, poetischer,
politischer oder ästhetischer Art.
Vor dem Hintergrund einer
Übersicht über die allgemeine und öffentliche Rezeption Wagners
im Konzert, in der Oper, im Salon, auf den Reisen nach Bayreuth, durch die
Übersetzung seiner Schriften und die Vermittlung seiner Ideen, stellen
sich die französischen Komponisten dieser Epoche als eine Gruppe dar,
deren Rolle innerhalb des Wagnérisme sich von der anderer Künstler
deutlich unterscheidet. Vom Werke Wagners in vieler Hinsicht begeistert und
angeregt, setzten sie sich dennoch kritisch mit seinen Besonderheiten
auseinander und standen gerade deswegen der blinden Wagner-Verehrung oder
-Ablehnung skeptisch gegenüber. Die Liebe zu Wagners Lebenswerk, die
Kritik an den verschiedenen Formen des französischen Wagnérisme und
die kompositorische Auseinandersetzung mit Wagners Musik sind daher als
verschiedene Rezeptionsformen bei den französischen Komponisten
auseinanderzuhalten.
Inwieweit bestimmte Musikdramen Wagners
ästhetische Vorstellungen oder einzelne stilistische Neuerungen wie z. B.
das Leitmotiv ihren Niederschlag in französischen Opern gefunden haben,
verrät der Blick auf das einzelne Werk. Vincent dIndy komponierte
mit Fervaal eine Oper, die nicht nur von einer
Orientierung an Wagners Vorbild, sondern ebenso von älteren
Operntraditionen sowie von einem eigenen Idiom geprägt ist. Obwohl in
vielerlei Hinsicht insbesondere auf den Parsifal
hinweisend, zeigt sich bei der genaueren Untersuchung des Librettos, der Themen
und ihrer Verarbeitung oder von Instrumentation und Harmonik der kreative
Umgang mit verschiedenen historischen Methoden und Techniken. Im positiven
Verständnis stellt Fervaal somit ein Werk dar, in
dem sich bewährte Traditionen - auch nicht-wagnerischer Provenienz -, ihre
werkspezifische Handhabung und individuelle Lösungen zu einem neuartigen
Operntypus verbinden.
«Schwartz gelingt es, unter dem notwendigen Blick auf Details den Gesamtzusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. Und so liest sich das Buch einerseits als minutiöse Detailstudie, andererseits aber als umfassende Deutung eines weitverzweigten und vielschichtigen Phänomens, das für die französische Musikgeschichte des Fin de siècle von eminenter Bedeutung war.» Melanie Unseld in Die Musikforschung 56 (2006).



