Manuela Schwartz

Wagner-Rezeption und französische Oper des Fin de siècle

Untersuchungen zu Vincent d’Indys Fervaal

Abbildung folgt
(Berliner Musik Studien 18)

Mit 44 Notenbeisp. und 1 Abb., 384 S., 24 * 17 cm, Broschur

EUR 29,00*

ISBN 978-3-89564-053-7

Inhalt >>>

Eine Studie über den französischen Wagnérisme mit seinen kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Implikationen. Wie sich die musikalische Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners, mit seinen ästhetischen Vorstellungen und stilistischen Neuerungen gestalten konnte, zeigt die Autorin am konkreten Beispiel von Vincent d’Indys Oper Fervaal .

Der französische Wagnérisme gehört zu den herausragenden Rezeptionsphänomenen der Musik- und Kulturgeschichte. Richard Wagners Werk und sein ästhetischer Entwurf gewannen in Frankreich zwischen dem deutsch-französischen Krieg und dem ersten Weltkrieg einen weit gefächerten Einfluss, welcher nicht nur in allen Künsten, sondern auch in Politik und Gesellschaft, besonders aber in der Musik wirksam wurde.
Die Mechanismen und Wege der Auseinandersetzung mit Wagners Person, Werk und Musik sind vielfältig. Ob es sich dabei um die bis 1891 andauernde Blockade seiner Musikdramen an der Pariser Opéra, um die kompositorische Weiterentwicklung seiner musikalischen Neuerungen, um die Transformation seiner ästhetischen und musikdramatischen Vorstellungen oder um die musikpolitische Wirkung des Wagnérisme auf die Rezeption der französischen Komponisten handelt: Der Name Wagners weist über seine Person auf immer wieder andere Zusammenhänge musikalischer, poetischer, politischer oder ästhetischer Art.
Vor dem Hintergrund einer Übersicht über die allgemeine und öffentliche Rezeption Wagners im Konzert, in der Oper, im Salon, auf den Reisen nach Bayreuth, durch die Übersetzung seiner Schriften und die Vermittlung seiner Ideen, stellen sich die französischen Komponisten dieser Epoche als eine Gruppe dar, deren Rolle innerhalb des Wagnérisme sich von der anderer Künstler deutlich unterscheidet. Vom Werke Wagners in vieler Hinsicht begeistert und angeregt, setzten sie sich dennoch kritisch mit seinen Besonderheiten auseinander und standen gerade deswegen der blinden Wagner-Verehrung oder -Ablehnung skeptisch gegenüber. Die Liebe zu Wagners Lebenswerk, die Kritik an den verschiedenen Formen des französischen Wagnérisme und die kompositorische Auseinandersetzung mit Wagners Musik sind daher als verschiedene Rezeptionsformen bei den französischen Komponisten auseinanderzuhalten.
Inwieweit bestimmte Musikdramen Wagners ästhetische Vorstellungen oder einzelne stilistische Neuerungen wie z. B. das Leitmotiv ihren Niederschlag in französischen Opern gefunden haben, verrät der Blick auf das einzelne Werk. Vincent d‘Indy komponierte mit Fervaal eine Oper, die nicht nur von einer Orientierung an Wagners Vorbild, sondern ebenso von älteren Operntraditionen sowie von einem eigenen Idiom geprägt ist. Obwohl in vielerlei Hinsicht insbesondere auf den Parsifal hinweisend, zeigt sich bei der genaueren Untersuchung des Librettos, der Themen und ihrer Verarbeitung oder von Instrumentation und Harmonik der kreative Umgang mit verschiedenen historischen Methoden und Techniken. Im positiven Verständnis stellt Fervaal somit ein Werk dar, in dem sich bewährte Traditionen - auch nicht-wagnerischer Provenienz -, ihre werkspezifische Handhabung und individuelle Lösungen zu einem neuartigen Operntypus verbinden.

Pressestimmen

«Schwartz gelingt es, unter dem notwendigen Blick auf Details den Gesamtzusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. Und so liest sich das Buch einerseits als minutiöse Detailstudie, andererseits aber als umfassende Deutung eines weitverzweigten und vielschichtigen Phänomens, das für die französische Musikgeschichte des Fin de siècle von eminenter Bedeutung war.» Melanie Unseld in Die Musikforschung 56 (2006).

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