Beate Agnes Schmidt
Musik in Goethes ,Faust. Dramaturgie, Rezeption und Aufführungspraxis
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(Musik und Theater 5)Mit 16 Abb., 114 Notenbeisp. und Register, 509 S., 24 * 17 cm, Hardcover |
Goethes Faust inspirierte wie kaum ein anderes Schauspiel bereits im 19. Jahrhundert namhafte und weniger bekannte Musiker zu Vertonungen. In Schuberts, Berlioz, Wagners, Schumanns oder Gounods Kompositionen eröffnete er ganz eigene Wege. Dies hängt mit der multimedialen Konzeption des Dramas zusammen. Schon sein erster Teil bündelt vielfältige Stränge und Traditionen des Musiktheaters. Kein Schauspiel um 1800 sah eine so vielfältige Mischung aus Liedern, Melodramen, Chor- und Instrumentalpassagen vor. Für das Theater der Goethezeit barg der Faust jedoch ungeheure Herausforderungen. Kaum bewusst ist noch heute, dass erst die Musik den eigentlichen Impuls für die ersten Aufführungen gab. Auch in Goethes eigenen Bühnenversuchen und den Gesamtaufführungen um 1830 spielte sie eine wichtige Rolle. Aus den Kompositionen Radziwills, Lindpaintners und Eberweins lassen sich nicht nur allgemeine Theaterkonventionen erschließen; sie vermitteln zudem Einblicke in die Inszenierungspraxis der Zeit, die Goethes vieldeutiges Stück mit Blick auf ganz bestimmte ästhetische Effekte und Wirkungen auslegte. Die Autorin zeigt auf der Grundlage neuer Quellenfunde eindrücklich, wie die bisher wenig untersuchte Gattung Schauspielmusik zu einem Experimentierfeld für das Musiktheater des 19. Jahrhunderts wurde.
»»» „[ein] Nachschlagewerk, das Quellen sichert und für künftige Studien übersichtlich ordnet ... Wer die Geduld aufbringt, ... wird aber belohnt und B. A. Schmidt ihre Mühen danken. Denn von der Warte der stark musikalisierten Aufführungspraxis des frühen 19. Jahrhundert her erschließt sich auch die Werkgestalt des Dramas neu ...“ Dieter Martin in Goethe-Jahrbuch 07 «««
»»» „Die Studie nähert sich dem Gegenstand indes zunächst über die Gattung, indem sie die theoretischen Denkmodelle von Schauspielmusik in den Blick nimmt. Diese Betrachtung findet jedoch immer vor der Folie aufführungspraktischer und institutioneller Gegebenheiten statt, hier dem Weimarer Theater. ...
Schmidt unterscheidet hier zwischen ‹imaginierter Dramaturgie› im Sinne der Autorintention und der ‹Bühnen-Dramaturgie›, d. h. die theaterpraktische Realisierung, in der neben dem Komponisten auch der Regisseur als Bearbeiter eine zentrale Instanz darstellt. Der theoretisch-ästhetische Teil der Arbeit unterscheidet sich aufgrund dieser Rückbindung in eine bühnenpraktische Perspektive a fond von der älteren Literatur zum Problem Schauspielmusik. ...
Äußerst instruktiv ist die Suche nach musikdramatischen Vorbildern für die musikalischen Szenen in Goethes Faust I....
Im Zentrum steht die Analyse der Schauspielmusik des Fürsten Radziwill, die Compositionen zu Göthe’s Faust... In diesem Abschnitt wird deutlich, wie gleichsam ohnmächtig Goethes ‹Chefideologen› in Sachen Musik (Zelter, Reichardt) dieser Vertonung eines Dilettanten gegenüberstanden. Schmidts Ausführungen zu dieser frühen Faust-Musik offenbaren eindrücklich, dass Radziwills Musik ‹moderner›, d. h. medialer, kaum hätte gedacht sein können. ...
Im gesamten Kapitel ‹Komponist und Bühne› erkundet die Autorin nicht nur analytisches Neuland, sondern sie kontextualisiert die je spezifischen musikalischen Konzeptionen seitens der Ästhetik, der Dramaturgie und ihrer institutionellen Verankerung. Das Ergebnis ist gleichermaßen beeindruckend wie bedeutsam: Es ist nicht weniger als ein Stück (deutscher) Theatergeschichte, die sich dem Leser hier entfaltet, eine Theatergeschichte, die nicht einer diffusen Vorstellung von ‹Weltliteratur› anhängt, sondern sich vielmehr ganz auf die Aufführungstexte und deren Konkretisierung in Inszenierungen stützt. Gerade deshalb ist das Buch auch eine fundamentale Arbeit zur Aufführungs- und Rezeptionsgeschichte von Goethes Faust.“ Thomas Betzwieser in Die Musikforschung 09, S. 292ff. «««
»»» „Herzstück der Studie ... ist ohne Zweifel Teil II, die Weimarischen Versuche, den Goetheschen Faust auf die Bühne zu bringen. ... Die Aussagen dieses Kapitels wird derjenige tunlichst zu prüfen haben, der mit einer szenischen Verwirklichung des Faust befaßt ist. ...
Das vorgestellte Buch rechnet in keine der Einzelwissenschaften herkömmlichen Zuschnitts. Dem Literaturwissenschaftler gegenüber vertritt es die Einsciht: Gewiß beruht ein Theaterstück auch auf einem Text, vollständig tritt es erst durch das Geschehen im Theater in Erscheinung.“ Hans Joachim Kreutzer in Arbitrium 08, S. 335ff.
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