Friedrich W. Riedel (Hg.)
Kirchenmusik zwischen Säkularisation und Restauration
![]() |
(Kirchenmusikalische Studien 10)Mit 42 Abb., 10 Notenbeisp., mit Orts- und Personenregister, 416 S., 24 * 17 cm, Broschur mit Fadenheftung |
Um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert erlebte die christliche Kirchenmusik im mitteleuropäischen Raum eine ihrer kritischsten Phasen. Auf den Höhenflug reichster Entfaltung folgte der Sturz in beschränkte Verhältnisse, aus denen sie nur allmählich im Rahmen gewandelter Gesellschaftsverhältnisse wieder aufstreben konnte. Die Epoche, in der sich dieser Wandel ereignete, umfasst die Zeit von der Aufhebung des Jesuitenordens (1773) und des sogenannten josephinischen ,Klostersturms" bis zum Wiener Kongress mit der Neuordnung Europas im Jahr 1815. Den Mittelpunkt bildete der Reichsdeputationshauptschluss von 1803, der das Ende des Hl. Römischen Reiches Deutscher Nation und der geistlichen Reichsstände bedeutete.
In dem umrissenen Zeitraum vollzog sich ein tiefgreifender Säkularisierungsprozess, äußerlich begründet im politischen und wirtschaftlichen Machtstreben der großen Staaten, innerlich in der geistigen Wende vom transzendenten zum immanenten Denken, welche auch vor den Kirchen nicht haltmachte und sich auf die kirchliche Kunst- und Musikpflege auswirkte. Am Ende kam es zu einer Neuorientierung unter veränderten politischen Grenzen und gesellschaftlichen Verhältnissen, mit neu erwachtem geschichtlichen und religiösen Bewusstsein. In diesem historischen Kontext der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches und der Neuordnung Europas wird in den Beiträgen des vorliegenden Bandes die Entwicklung der katholischen und evangelischen Kirchenmusik im mitteleuropäischen Raum (Deutschland und die Länder der ehemaligen Donaumonarchie mit England als Vorspann) untersucht werden, und zwar im interdisziplinären Vergleich durch Spezialisten der Fächer Allgemeine Geschichte, Kirchengeschichte, Liturgiewissenschaft, Kunstgeschichte und Musikwissenschaft aus mehreren europäischen Ländern.
«Die Stärke des Bandes besteht neben seiner interdisziplinären Ausrichtung in den detaillierten, aus neu erschlossenen Quellen schöpfenden Schilderungen des Musiklebens abseits der großen Zentren. ... Insgesamt vermittelt der Band ein lebendiges, fesselndes Bild von den vielfältigen, bisher kaum erforschten Tendenzen der Kirchenmusikpflege in weiten Teilen Europas in den Jahrzehnten um 1800.» Magda Marx-Weber in Die Musikforschung 60 (2007).



