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Knud Breyer

Komponierte Geschichte

Johannes Brahms’ spätes Klavierwerk und die Idee eines historisch-systematischen Gattungskompendiums

  • 572 Seiten
  • mit zahlreichen Notenbeispielen
  • Softcover
  • 24,0 cm × 17,0 cm | 1100 gr
  • ISBN 978-3-89564-153-4
  • lieferbar
  • 72,00 € [DE]  | 74,10 € [AT] (Geb. Ladenpreis) | 57,60 € [DE] (Sonderpreis) bei Abnahme der Buchreihe
  • www.studiopunktverlag.de/9783895641534.php
  • Erscheinungsdatum: 15.05.2014
Kurzbeschreibung

Knut Breyer legt hier eine eingehende Analyse von Brahms’ späten Klavierstücken vor. Musikalische Zitate und Allusionen offenbaren historische Schichtungen und Gegenüberstellungen. Breyer zufolge wollte Brahms mit diesen Kompositionen ein kompositorisches Gattungskompendium des Klavierstücks vorlegen.

Abstract

Mit dem 60. nun wäre höchste Zeit aufzuhören – auch ohne besonderen Grund“ schrieb Brahms im August 1894 an Clara Schumann – und erklärte sein Werk damit für beendet. Für diesen Abschluss seines Schaffens wählte er dann, entgegen aller Erwartung, ausgerechnet Klavierminiaturen – schlichte Gelegenheitswerke, wie die meisten seiner Zeitgenossen meinten. Welches Ziel mag er mit diesen Stücken verfolgt haben?

Die besondere Bedeutung der späten Klavierstücke im Hinblick auf das Gesamtwerk, ihr innerer Zusammenhang untereinander sowie ihre intellektuelle Aufgabenstellung wurden in der Brahmsforschung bisher kaum erörtert. Als lyrische Klavierstücke fügen sie sich nicht in das gängige Deutungsschema vom „janusköpfigen“ Brahms, dem es vor allem im Spätwerk um die Bewahrung klassischer Gattungstraditionen bei zukunftsweisender Materialbehandlung gegangen sei.

Diese Studie fördert tiefere Dimensionen von Brahms’ späten Klavierstücken zutage. So weist sie deren enge opusübergreifende Zusammenhänge auf motivischer und formaler Ebene nach. Insbesondere jedoch arbeitet der Autor ein wesentliches Merkmal des brahmsschen Geschichtsbewusstseins heraus: Wie die Untersuchung zeigt, legte Brahms sein Werk als ein historisches Gattungskompendium an, in dem er sich systematisch jede Gattung gemäß ihres historischen Erscheinungsbilds im kompositorischen Nachvollzug erschloss. Den Schlusspunkt bildet das späte Klavierwerk.

Mittels Zitaten und Allusionen offenbaren sich im brahmsschen Spätwerk historische Schichtungen und Gegenüberstellungen, die mehrere Jahrhunderte der vielfältigen Geschichte des Klavierstücks zusammenfassen.

  • Vorwort
  • Einleitung
    • I Das antagonistische Geschichtsbild in der Brahmsrezeption
    • 1 Das Bild vom konservativen Brahms
    • 2 Das Bild vom progressiven Brahms
    • 3 Fortschritt versus Konservatismus. Zu Schönbergs Fortschrittsbegriff
    • 4 Fortschritt versus Originalität
  • II Geschichtsbewusstsein als Gattungsverständnis
    • 1 Brahms’ Musikalienbibliothek
      • 1.1 Geschichtskenntnis als Voraussetzung für die Entwicklung eines Geschichtsbewusstseins
      • 1.2 Die Bibliothek als Materialsammlung zum systematischen Geschichtsstudium
      • 1.3 Die Bibliothek als aufführungspraktische Materialsammlung
    • 2 Von der Bibliothek zu einem allgemein zugänglichen Handapparat
      • 2.1 Brahms als Editor fremder Werke
      • 2.2 Das private und das öffentliche Werk. Brahms und die Edition eigener Werke
    • 3 Das Werk als ideale Bibliothek. Die Idee eines Gattungskompendiums
      • 3.1 Die Instrumentalgattungen
      • 3.2 Die Vokalgattungen
    • 4 Gattungsgeschichtliche Differenzierungen
      • 4.1 Die Idee eines historischen Panoramas: Die geistliche Musik
      • 4.2 Geschichtsmodell Gattungsklassiker: Die klassischen Gattungen
      • 4.3 Brahms’ Weg zu Sonate und Sinfonie als Prozess von Assimilation und Abstoßung05
        • 4.3.1 Im Schatten Beethovens: Die Klaviersonate op. 105
        • 4.3.2 Erneut beißt sich die Schlange in den Schwanz: Opus 1 und 1. Sinfonie, Hammerklaviersonate und 4. Sinfonie
    • 5 Brahms’ „neuer Weg“
      • 5.1 Der Sonatensatz
      • 5.2 Die Sinfonie
      • 5.3 Das Konzert
      • 5.4 Das Lied
      • 5.5 Das Variationenwerk
    • 6 Materialbegriff und gattungsgeschichtliche Reflexion
    • 7 Zwischenbilanz
  • III Das späte Klavierwerk
    • A) Systematischer Ansatz
      • 1 Zur Quellenlage des späten Klavierwerks
      • 1.1 Die Quellen zu op. 76
      • 1.2 Die Quellen zu op. 79
      • 1.3 Die Quellen zu op. 116 und op. 117
      • 1.4 Die Quellen zu op. 118 und op. 119
      • 2 Überlegungen zur Entstehung der Stücke
      • 3 „Charakterstücke, ganz unmöglich“. Anmerkungen zur Ästhetik des späten Klavierwerks
      • 4 Systematisierte formale Vielfalt
        • 4.1 Die dreiteilige Liedform. Individualisierung eines Formschemas
          • 4.1.1 Der in sich geschlossene Mittelteil
          • 4.1.2 Die Auflösung der Grenze zwischen Mittelteil und Reprise
          • 4.1.3 Die Vermeidung der Wiederholung.Das Verhältnis zwischen Hauptteil und Reprise
          • 4.1.4 Das Prinzip der konstrastierenden Ableitung. Die motivische Vermittlung zwischen Haupt- und Mittelteil
          • 4.1.5 Die Proportionsverschiebung zwischen Haupt- und Mittelteil
        • 4.2 Die Vermittlung von Lied- und Strophenform
        • 4.3 Formderivate als Gestaltungsmittel für Formteile
          • 4.3.1 Die Bogenform als Äquivalent zur dreiteiligen Liedform
          • 4.3.2 Die zweiteilige Liedform
          • 4.3.3 Die Barform
          • 4.3.4 Die Barform als Satz
          • 4.3.5 Die Vermittlung von Bar- und Strophenform
          • 4.3.6 Reihenförmige Formteile
      • 5 „Nicht Sonatensätze?“
      • 6 Variieren der Wiederholung statt entwickelnder Variation. Gruppenbildungen zweiter Teil
        • 6.1 Register- und Lagenwechsel
        • 6.2 Harmonische Neueinkleidung
        • 6.3 Wiederholung als Periode
        • 6.4 Ambituserweiterung durch Intervallspreizung
        • 6.5 Ambituserweiterung durch Sequenzierung
        • 6.6 Stimmtausch
        • 6.7 Neue Begleitung
        • 6.8 Kolorierung, Figuration und Ornamentierung
        • 6.9 Die rhythmisch-metrisch veränderte Wiederholung
      • 7 „… nicht mannigfaltig genug, meist zu schwerfällig, nicht pikant genug …“. Variationenfolgen
      • 8 „‚Zwischenstücke‘ […] nicht nur zum Nach- sondern auch zum Vor-Denken, und ich glaube Sie recht zu verstehen, wenn ich meine, daß Sie derartiges mit ‚Intermezzo‘ haben andeuten wollen.“
      • 9 „Voraussetzungen und Folgen“. Vor- und Rückblenden im späten Klavierwerk als opusübergreifendes motivisches Netzwerk
    • B) Historischer Ansatz
      • Exkurs: Die Musik für Tasteninstrumente in Brahms’ Bibliothek
      • 11 Froberger, Mozart, Mendelssohn, Chopin, Brahms. Die kompositorische Bespiegelung einer Zitationsgeschichte als Öffnung eines historischen Raums
      • 12 Die Allusion als Messinstrument für historische Tiefenschärfe
      • 13 Historische Schichtungen
        • 13.1 Präludium und Fuge im Gewand eines Lyrischen Klavierstücks: Opus 76 Nr. 1 und Opus 116 Nr. 3
        • 13.2 Drei Schichten Trauermusik: Opus 118 Nr. 6 – Trauertopos, Lamentation und Tombeau
        • 13.3 Die Rhapsodie als Sonatensatz: Opus 79
        • 13.4 Chaconne und entwickelnde Variation: Opus 76 Nr. 5
      • 14 Historischer Perspektivenwechse
        • 14.1 Das Lied ohne Worte als Choralphantasie: Opus 118 Nr. 2
        • 14.2 Von der Chaconne zum Ländler: Opus 119 Nr. 2
        • 15 Zurück zu den Ursprüngen
        • 15.1 Die Romanze als Romanesca: Opus 118 Nr. 5
        • 15.2 Ein kapriziöses Suitenrondo: Opus 76 Nr. 2
        • 15.3 Das Capriccio als Toccata: Opus 76 Nr. 8
      • 16 Traditionsbestände als Versatzstücke aus einem historischen Steinbruch
      • 17 „Sagen Sie nicht Andern, wo ich m. Melodien hernehme, wohl aber mir, ob Sie Ihnen auch in m. Rock gefallen“ oder: „Vorlagen […] ganz frei behandeln […]“
        • 17.1 Ein Motivkern als gemeinsamer Ausgangspunkt
        • 17.2 Paraphrase und Allusion als Verbindungsglied
        • 17.3 Motivische und formale Korrespondenzen
      • 18 „Aus aller Herren Länder“ als „Kirchneriana“: Das Neuarrangieren von Vorlagen
        • 18.1 Die Verteilung auf unterschiedliche Formteile als Mittel des Arrangierens von heterogenen Vorlagen
        • 18.2 Die Überblendung von verwandten Vorlagen als Mittel des Arrangierens
        • 18.3 Der Rekurs auf sich selbst zitierende Vorlagen: Das Matroschka-Prinzip0
        • 18.4 Die Übereinanderschichtung von Vorlagen
  • IV Klavierstücke als Abschluss des Werkes
  • Anhang
    • Abkürzungen
    • Quellen- und Literaturverzeichnis
    • Quellen
    • Musikalien
    • Korrespondenzen
    • Literatur
    • Primärliteratur
    • Sekundärliteratur
  • Teil 2 (Notenbeispiele)
    • A Ambiguität
    • B Schrittfolgenmodelle
    • C Motivische Arbeit
    • D Zitate
    • E Motivische Korrespondenzen
    • F Kontrastierende Ableitung
    • Verzeichnis der Notenbeispiele
Features

Teil 1: Text; Teil 2: Notenband

Flyer zum Download
  • Zeiträume: 19. Jahrhundert (1800 bis 1899 n. Chr.)
  • Schlagworte: Geschichte | Klavierstück | Musikästhetik
  • Behandelte Personen/Institutionen: Brahms, Johannes
  • Themenfelder:  MusikMusikwissenschaft und Musiktheorie | Musikgeschichte | Komponisten und Songwriter

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