Eva Hanau
Musikinstitutionen in Frankfurt am Main 1933 bis 1939
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(Berliner Musik Studien 3)Mit 14 Abb., Dokumenten und Register, 193 S., 24 * 17 cm, Hardcover |
Dieses Buch behandelt die Gleichschaltung des Frankfurter Musiklebens seit der nationalsozialistischen Machtergreifung, vor allem aber die Schicksale jüdischer Künstler und ihre Ausgrenzung nach 1934: In jenem Jahr wurde die Frankfurter Sektion des Kulturbunds Deutscher Juden gegründet, eine Ghettoorganisation, die für wenige Jahre noch rege kulturelle Aktivitäten entfalten konnte. Nach den Novemberpogromen 1938 war auch dies nicht mehr möglich. Mit den Musikern verlor die Stadt zugleich eine wesentliche Komponente ihres kulturellen Lebens.
«Die Verfolgung dieser bedrückenden Entwicklungen geschieht auf einer gut dokumentierten und sorgfältig recherchierten Quellenbasis. Aussagen von Opfern und Tätern werden gleichermaßen herangezogen, um die Gefahr einer moralischen Wertung weitgehend auszuschließen. Auf diese Weise entsteht ein detailliertes Bild der Zeit zwischen Machtergreifung und Kriegsbeginn, zwar dargestellt am Kulturbetrieb einer Stadt, exemplarisch aber für die Zeit überhaupt, und das alles in einer brillant geschriebenen Form, die das Buch und seine Lektüre ... fesselnd und aufschlußreich macht, - ein Stück Kulturgeschichte auch über den Musikbereich hinaus.» Oswald Bill in Archiv f. hess. Geschichte und Altertumskunde 93 (1995).
«... Vorrangig geht
es dabei um die Darstellung der politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen
auf die Frankfurter Musikszene, die an den o. g. Musikinstitutionen
demonstriert werden. ...
Die Untersuchung setzt mit einem Abriss der
kulturellen Ära Frankfurts unter dem jüdischen Oberbürgermeister
Ludwig Landmann ein und hebt die wichtige Rolle hervor, welche die
jüdischen Kulturschaffenden und -mäzene in Frankfurt bis in die
dreißiger Jahre hinein spielten. Die tiefgreifenden Veränderungen in
gewachsenen Strukturen und der gewaltsame Abbruch der fruchtbaren
deutsch-jüdischen Symbiose im kulturellen Bereich werden auf diese Weise
umso drastischer verdeutlicht.
Das Schwergewicht der Arbeit legt Hanau ...
auf die Beschreibung der organisatorischen, personellen und konzeptionellen
Veränderungen, die sich durch die nationalsozialistische Annexion des
musikkulturellen Bereichs ergaben. ... Exemplarisch führt sie das
Schicksal bzw. die Karriere einiger für das Frankfurter Musikleben
bedeutsamer Persönlichkeiten vor ..., um einen Einblick in das Frankfurter
Kulturleben der Gleichschaltungsphase zu geben.
Ein besonders
aufschlussreicher Abschnitt befasst sich mit dem Kulturbund deutscher
Juden im Bezirk Rhein Main ... Überraschend hoch ist die Anzahl der
zwischen 1933 und Anfang 1935 neu gegründeten spezifisch
jüdischen musikalischen Vereinigungen, die Hanau detailliert
vorstellt. ...
An dem Vergleich der Programme zwischen 1918 und 1933
lässt sich ablesen, wie sich das breite Spektrum an moderner
Musik - immerhin zählte die Frankfurter Oper zu den wichtigsten
deutschen Bühnen für zeitgenössische Musik - verengte und die
sich formierenden antisemitischen Kräfte zunehmend den kulturellen Bereich
okkupierten. Beispielhaft vorgeführt wird dies am Skandal um die
Frankfurter Aufführung von Kurt Weills Mahagonny am 16.
Oktober 1930.
Hanau stellt ebenfalls weitere Bestrebungen vor, Musik
zeitgenössischer deutscher Komponisten in der Mitte der dreißiger
Jahre aufzuführen ... und berücksichtigt die Kompositionen, die zum
Teil heftig umstritten waren. ...
Den Beziehungen zum Ausland wird ein
eigener Abschnitt gewidmet, da Frankfurt internationale Musikkontakte aus
Prestige- und aus Selbstdarstellungsgründen stets intensiv pflegte. Dabei
geht es um die internationalen Musiktage, die in Frankfurt abgehalten wurden,
um Ausstellungen, Gastspiele und Tourneen. ...
Hanaus Untersuchung bietet
viele interessante Aspekte, die zugleich von ihren sehr sorgfältigen
Recherchen zeugen. Dabei beruft sie sich nicht nur auf zum Teil schwer
zugängliche Quellen ..., sondern auch auf selbst geführte Interviews
mit Zeitgenossen, so dass sie dem in ihrem Vorwort formulierten Anspruch
gerecht wird, die Situation der Frankfurter Musikinstitutionen in den zwanziger
und dreißiger Jahren differenziert und umfassend darzustellen.»
(Sylvie Gregg in Musiktheorie 3/1997)



