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Astrid Opitz

Modus in den Chansons von Binchois

  • 424 Seiten
  • mit zahlr. Notenbeispiele, Register
  • Hardcover
  • 24,5 cm × 18,0 cm | 920 gr
  • ISBN 978-3-89564-157-2
  • lieferbar
  • 68,00 € [DE]  | 70,00 € [AT] (Geb. Ladenpreis)
  • www.studiopunktverlag.de/9783895641572.php
  • Erscheinungsdatum: 14.01.2016
Abstract

Die Chansons von Binchois (Gilles de Bins, ca. 1400–1460) wurden in der Forschungsliteratur immer wieder als tonal unvorhersehbar bezeichnet. Unter den verschiedenen Analyseansätzen ist Modus in der Mehrstimmigkeit, noch dazu vor dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts, ein umstrittenes Gebiet. Historische Theoretiker betonen zwar über Jahrhunderte hinweg, die „musica plana“, zu der die Moduslehre unter anderem gehört, sei die Voraussetzung der „musica mensurabilis“. Doch erst 1476 erschien der erste Traktat, welcher explizit im Hinblick auf den Modus in der Mehrstimmigkeit geschrieben wurde: Johannes Tinctoris’ „Liber de natura et proprietate tonorum“. Diese Studie unternimmt den Versuch, Modus nicht als Skala, sondern als Melodielehre aufzufassen, die von der Einstimmigkeit in die Mehrstimmigkeit getragen wird. So kann sie zeigen, dass Binchois – ebenso wie Guillaume Dufay und andere Zeitgenossen – deutlich von modalen Melodieformeln beeinflusst ist, wie sie durch die Gregorianik überliefert sind. Diese Melodieformeln wurden in der frühen Modustheorie explizit aufgeführt, finden sich aber in späteren theoretischen Schriften etwa von Tinctoris nur noch implizit in Beispielen. Durch den Vergleich mehrstimmiger Sätze der Zeit können darüber hinaus nicht nur modusspezifische Melodie-, sondern sogar Satzformeln erschlossen werden. Ein solches Konzept von Modus liefert neue Erklärungsansätze für die Chansons von Binchois.

  • Vorwort
  • Einleitung
  • I. Kritische Auseinandersetzung mit einschlägigen Analyseansätzen
    • 1. Funktionsharmonische Ansätze
      • 2. Modale Ansätze
      • 2.1. Hexachord und Modus
      • 2.2. Pseudo-klassische Ansätze
      • 2.3. Rückbezug auf die Gregorianik
    • 3. Weitere Ansätze
      • 3.1. “pitch of reference” (Thomas Brothers)
      • 3.2. Prolongationen im Sinne Schenkers
      • 3.3. “tonal color” (Graeme Boone)
    • 4. Fazit und weiteres Vorgehen
  • II. Modus in der Einstimmigkeit – Modus in der Mehrstimmigkeit
    • 1. Modus in der Einstimmigkeit. »Kirchlich-abendländisches« und »pseudo-klassisches« Konzept von Modus
    • 2. Modus in der Mehrstimmigkeit. Theoretische Belege bis hin zu Tinctoris’ Liber de natura et proprietate tonorum
      • 2.1. Theoretische Belege vor dem Berkeley-Manuskript (1375)
      • 2.2. Theoretische Belege zwischen Berkeley-Manuskript und Tinctoris’ Liber de natura et proprietate tonorum (1476)
      • 2.3. Tinctoris’ Liber de natura et proprietate tonorum
    • 3. Fazit
  • III. Entwicklung eines auf modusspezifischen Melodie- und Satzformeln beruhenden Ansatzes
    • 1. Flexiblere Praxis vs. theoretische Geschlossenheit
    • 2. Legitimation des Bezugs Gregorianik – Chanson
    • 3. Beobachtungen aus dem geistlichen Werk von Binchois
    • 4. Kontrapunktische Prämissen
      • 4.1. Primäre Zweistimmigkeit
      • 4.2. Kontrapunkt und Harmonie
    • 5. Cantus als Affektträger oder Tenorprinzip?
    • 6. Doppelstufe b/h, musica ficta und Modus
    • 7. Finalis als Zentrum
    • 8. Fazit
  • IV. Tritus
    • 1. Melodieformeln des Tritus in Tinctoris’ Beispielen
      • 1.1. Tritus authentus
      • 1.2. Tritus plagalis
    • 2. Melodie- und Satzformeln in Chansons des Tritus
      • 2.1. Dueil angoisseux
      • 2.2. Beobachtungen aus cantus firmus-Vertonungen
      • 2.3. Vergleich von Chansonanfängen des Tritus ausgehend von Dueil angoisseux
      • 2.4. Harmonische Implikationen
    • 3. Das Binchois-Spiel aus modaler Sicht: Adieu, adieu und Seule esgarée
    • 4. Zusammenfassung Tritus
  • V. Protus
    • 1. Melodieformeln des Protus in Tinctoris’ Beispielen
    • 1.1. Protus authentus
    • 1.2. Protus plagalis
    • 2. Melodie- und Satzformeln in Chansons des Protus
    • 2.1. Je ne fai tousjours
    • 2.2. Vergleich von Chansonanfängen des Protus ausgehend von Je ne fai tousjours: D-Protus | G-Protus
    • 2.3. ,Geschärfte‘ Terz-/Dezimparallelen und relationes non harmonicae
    • 2.4. Kadenzen zur Oberquinte/Unterquarte – phrygisch oder tenorisierend?
    • Je ne fai tousjours | Nous vous verens bien malebouche | Ma dame que j’ayme et croy
    • 3. Das Binchois-Spiel aus modaler Sicht
      • 3.1. Amoureux suy
      • 3.2. Margarite, fleur de valeur
      • 3.3. Adieu mon amoureuse joye
      • 3.4. Les tres doulx yeux
      • 3.5. Ay, douloureux
    • 4. Zusammenfassung Protus
  • VI. Tetrardus
    • 1. Melodieformeln des Tetrardus in Tinctoris’ Beispielen
      • 1.1. Tetrardus plagalis
    • 2. Melodie- und Satzformeln in Chansons des Tetrardus
      • 2.1. C’est assez
      • 2.2. Magnificatvertonungen des 8. Tons im Vergleich
      • 2.3. Vergleich von Chansonanfängen des Tetrardus ausgehend von C’est assez
      • 2.4. Die Doppelstufe b/h im Tetrardus
    • 3. Das Binchois-Spiel aus modaler Sicht
      • 3.1. Rendre me vieng
      • 3.2. De plus en plus
    • 4. Zusammenfassung Tetrardus
  • Schluss
    • Abkürzungen
    • Quellen- und Literaturverzeichnis | Musikalien | Quellen und Faksimiles | Moderne Ausgaben | Literatur | Primärliteratur | Sekundärliteratur
    • Register
  • Zeiträume: 16. Jahrhundert (1500 bis 1599 n. Chr.)
  • Schlagworte: Gregorianik | Modus | Mehrstimmigkeit | Melodik | Musica mensurabilis
  • Behandelte Personen/Institutionen: Binchois | Tinctoris
  • Themenfelder: Komponisten und Songwriter | Musikwissenschaft und Musiktheorie | Musikgeschichte Musik
Über die Autorin / über den Autor

Musikwissenschaftlerin

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