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Coverabbildung Sammelband Musik und Musikwissenschaft im Faschismus

Astrid Opitz

Modus in den Chansons von Binchois

(Saarbrücker Studien zur Musikwissenschaft 18)

424 Seiten mit zahlreichen Notenbeispielen, Register, 24 × 17 cm, Hardcover

EUR [D] 68,00 | EUR [A] 70,00

ISBN 978-3-89564-157-2

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Die Chansons von Binchois (Gilles de Bins, ca. 1400-1460) wurden in der Forschungsliteratur immer wieder als tonal unvorhersehbar bezeichnet. Unter den verschiedenen Analyseansätzen ist Modus in der Mehrstimmigkeit, noch dazu vor dem letzten Drittel des 15. Jahrhunderts, ein umstrittenes Gebiet. Historische Theoretiker betonen zwar über Jahrhunderte hinweg, die musica plana, zu der die Moduslehre unter anderem gehört, sei die Voraussetzung der musica mensu rabilis. Doch erst 1476 erschien der erste Traktat, welcher explizit im Hinblick auf den Modus in der Mehrstimmigkeit geschrieben wurde: Johannes Tinctoris Liber de natura et proprietate tonorum.

Diese Studie unternimmt den Versuch, Modus nicht als Skala, sondern als Melodielehre aufzufassen, die von der Einstimmigkeit in die Mehrstimmigkeit getragen wird. So kann sie zeigen, dass Binchois – ebenso wie Guillaume Dufay und andere Zeitgenossen – deutlich von modalen Melodieformeln beeinflusst ist, wie sie durch die Gregorianik überliefert sind. Diese Melodieformeln wurden in der frühen Modustheorie explizit aufgeführt, finden sich aber in späteren theoretischen Schriften etwa von Tinctoris nur noch implizit in Beispielen. Durch den Vergleich mehrstimmiger Sätze der Zeit können darüber hinaus nicht nur modusspezifische Melodie-, sondern sogar Satzformeln erschlossen werden. Ein solches Konzept von Modus liefert neue Erklärungsansätze für die Chansons von Binchois.

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